Das Problem mit dem Urheberrecht

In letzter Zeit häufen sich in Blogs Beiträge zum Thema Urheberrecht, wenn ich dem Blogaggreagator rivva.de glauben darf. Durch diese ACTA-Geschichte hat das Ganze noch mal an Fahrt gewonnen.

Wenn ich mir meinen Bereich, also die Lyrik angucke, ist die Sache eigentlich ganz einfach: Ist ein Dichter mindestens 70 Jahre tot, kann ich seine Gedichte bringen, ansonsten muss ich vorher fragen.  Was ich bei Dichtern, die bei Verlagen untergekommen sind, nicht tue, sondern gleich auf die Veröffentlichung verzichte, weil mir die Erfolgsaussichten zu gering erscheinen. Bei Leuten, die im Netz veröffentlichen, ist das in der Regel schnell abgehandelt. Die sind zum Teil glücklich, dass sie überhaupt mal gefragt werden. Denn in der Regel werden Gedichte einfach so kopiert und auf andere Seiten gesetzt.

Und diese Regel möchten einige Leute anscheinend gesetzlich verankert haben, damit ihnen keine bösen Urheber auf die Pelle rücken können. Das Hauptargument dabei ist, dass die Herren Dichter ja aus der Kultur schöpfen, auf den Schultern der berühmten Riesen stehen und es daher anderen nicht verwehren sollten, an der Früchte der Kultur teilzuhaben.  Der Witz dabei ist, dass bei allen Dingen, auch den materiellen, die produziert werden, die Produktionsverfahren ja nicht neu erfunden worden sind, sondern dass auch diese auf den Vorarbeiten vergangener Generationen beruhen.

Doch dann kommt immer noch das Kostenargument: Die Herstellung von materiellen Dingen kostet Geld, also kann man das nicht mit immatieriellen Gütern vergleichen.  Texte werden heute auch nicht mehr mit Papier und Bleistift produziert. Der ganze Schöpfungsprozess ist mit Kosten verbunden und sei es nur mit den Kosten, den Produzierenden mit Lebensmitteln zu erhalten. Und letztlich gibt’s auch noch das schöne Opportunitätskostenkonzept, was besagt, dass ein Dichter in der Zeit, in der er dichtet, ja auch Geld hätte verdienen können, z.B. als Banker, indem er Dinge verkauft, die nicht existieren und wenn’s schief geht, zu Papa Staat rennt.

Mir kommt die Diskussion zum größten Teil ziemlich verlogen vor.  Es ist halt zu einfach zu kopieren und zu veröffentlichen, fragen ist unbequem, und da wir uns im Zeitalter den Habenmüssens befinden, will da auch keiner mehr für grade stehen.