Neujahrsgedicht

Ehrensache, dass zum neuen Jahr ein Neujahrsgedicht her muss. Beim Stöbern in den Neujahrsgedichten von ‚Gedichte für alle Fälle‘ ist mir das folgende, sehr altmodische Gedicht aufgefallen:

Karl Henckell (1864-1929):  Mein Neujahrswunsch

Was ich erwünsche vom neuen Jahre?
Dass ich die Wurzel der Kraft mir wahre,
Festzustehen im Grund der Erden,
Nicht zu lockern und morsch zu werden,
Mit den frisch ergrünenden Blättern
Wieder zu trotzen Wind und Wettern,
Mag es ächzen und mag es krachen,
Stark zu rauschen, ruhig zu lachen,
So in Regen wie Sonnenschein
Freunden ein Baum des Lebens zu sein.

Ist mal etwas Anderes als das übliche Glückwünschen. Es strotzt zwar in gewissem Sinne vor guten Vorsätzen, aber nicht, um für sich selber ein besseres Leben zu haben, sondern um „Freunden ein Baum des Lebens zu sein“.  Das ist ein Ansatz, der scheint’s verloren gegangen ist. Doch nicht ganz: Immerhin platziert sich der Text auf Platz 7 von knapp 40 Neujahrsgedichten, wenn man die Texte nach Beliebtheit sortieren lässt. Das gibt Anlass zur Hoffnung auf ein besseres Jahr 2012!

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