Ernst Tollers Schwalbenbuch

Anfang Dezember ist nicht nur die Zeit des besinnungslosen Einkaufsrauschs, sondern auch Zeit für ein gutes Buch, für Trost und neuen Schwung.  Dafür möchte ich einen „alten Schinken“ empfehlen: Ernst Tollers Schwalbenbuch. Das Buch aus dem Jahr 1923 erzählt in Gedichten eine wunderbare Geschichte über ein Schwalbenpaar, das in einer Gefängniszelle nistet.  Die Geschichte beruht auf einem Erlebnis Ernst Tollers während seiner Festungshaft.

Zu Beginn präsentiert sich der Gefangene in Depression und Todesehnsucht:

O dumpfer Sang unendlicher Monotonie!
O ewiges Einerlei farblos zerrinnender Tage!
Immer
Wird ein Tag sein
Wie der letzte,
Wie der nächste,
Immer.

Doch dann geschieht das Wunder und von ganz tief unten schnellt die Stimmung in den Himmel hinauf:

Tanze meine atmende Brust,
Tanzet Ihr wunden geketteten Augen,
Tanzet! Tanzet!
Nur im Tanze brecht Ihr die Fessel,
Nur im Tanze umrauscht Ihr die Sterne,
Nur im Tanze ruht ihr im Göttlichen,
Tanzet! Tanzet!

Im weiteren Verlauf erzählt Toller, wie die Schwalben ihr Nest bauen, brüten und ihren Nachwuchs großziehen. Und in diesem einfachen Spiel der Natur entdeckt er das Leben wieder.

Ich meine, die Herausgeber versprechen nicht zu viel, wenn sie von einem Leseerlebnis schwärmen. Manches erscheint dem heutigen Leser vielleicht zu dick aufgetragen, aber darüber sieht man gerne hinweg, weil die Geschichte so einzigartig und menschlich berührend ist.  Das Buch ist komplett auf der Website mit zusätzlichen Materialien zu lesen und auch in gedruckter Form erhältlich.

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