Occupy Kindergeburtstag

Von der Occupy-Bewegung war letztes Wochenende viel die Rede.  Es wurde in Städten auf der ganzen Welt demonstriert, Plätze besetzt und die Journaille hatte was zu knabbern. Wofür oder wogegen diese Leute eigentlich sind, ist noch nicht klar, nur dass es so nicht mehr weiter geht, das ist einhelliger Standpunkt.

Bis auf wenige Ausnahmen verlief die ganze Angelegenheit in Deutschland friedlich unbestimmt, war bunt gemischt, ein Fest für Leute, die eine extrovertierte Ader haben und zur öffentlichen Selbstdarstellung neigen. Ein Kindergeburtstag gegen das, was in früheren Zeiten auf dem Spiel stand, wenn es in Deutschland auf die Straße ging. Dies  zeigt ein Gedicht von Georg Herwegh, der übrigens nicht nur ein Worteschmied war, sondern tatsächlich bewaffnet in den Freiheitskampf zog.

Georg Herwegh – Aufruf

Reißt die Kreuze aus der Erden!
Alle sollen Schwerter werden,
Gott im Himmel wird’s verzeihn.
Lasst, o lasst das Verseschweißen!
Auf den Amboss legt das Eisen!
Heiland soll das Eisen sein.

Eure Tannen, eure Eichen –
Habt die grünen Fragezeichen
Deutscher Freiheit ihr gewahrt?
Nein, sie soll nicht untergehen!
Doch ihr fröhlich Auferstehen
Kostet eine Höllenfahrt.

Deutsche, glaubet euren Sehern,
Unsre Tage werden ehern,
Unsre Zukunft klirrt in Erz;
Schwarzer Tod ist unser Sold nur,
Unser Gold ein Abendgold nur,
Unser Rot ein blutend Herz!

Reißt die Kreuze aus der Erden!
Alle sollen Schwerter werden,
Gott im Himmel wird’s verzeihn.
Hört er unsre Feuer brausen
Und sein heilig Eisen sausen,
Spricht er wohl den Segen drein.

Vor der Freiheit sei kein Frieden,
Sei dem Mann kein Weib beschieden
Und kein golden Korn dem Feld;
Vor der Freiheit, vor dem Siege
Seh’ kein Säugling aus der Wiege
Frohen Blickes in die Welt!

In den Städten sei nur Trauern,
Bis die Freiheit von den Mauern
Schwingt die Fahnen in das Land;
Bis du, Rhein, durch freie Bogen
Donnerst, lass die letzten Wogen
Fluchend knirschen in den Sand.

Reißt die Kreuze aus der Erde!
Alle sollen Schwerter werden,
Gott im Himmel wird’s verzeihn.
Gen Tyrannen und Philister!
Auch das Schwert hat seine Priester,
Und wir wollen Priester sein!

Advertisements


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s