Politische Gedichte

Da ich den 3. Oktober  schon letztes Mal abgefrühstückt habe,  heute was über die Lage des politischen Gedichts im Internet. Die Lage ist: bescheiden.

Google spuckt zwar zuverlässig drei anständige Seiten aus, wenn man nach „Politische Gedichte“ sucht,  aber danach kommt nichts mehr und aktuell sind die schon gar nicht.

Beim Platz 1, Lyrik-Lesezeichen, wird der Bogen gespannt von Laotse bis Kurt Tucholsky. Die Gedichte werden freundlicherweise kommentiert, so dass man nicht allein mit der Politik steht.

Platz 2 bei den politischen Gedichten bietet keine Kommentare, dafür mehr Auswahl. Etwa 40 Gedichte, die in der Zeit von Ludwig Thoma, Kurt Tucholsky und Joachim Ringelnatz enden.

Der dritte Platz schließlich ist allein den Gedichten von unserm Nationalhymnendichter Hoffmann von Fallersleben gewidmet. Vormärz, wie man so schön sagt, also noch tiefer politischer Winter.

Immerhin kann man den alten Dichtern zugutehalten, dass sie manchmal zeitlos geschrieben haben. Politikverdrossenheit oder Politiker-Bashing hat’s vor 400 Jahren schon gegeben:

Friedrich von Logau (1604-1655)

Heutige Welt-Kunst

Anders sein und anders scheinen,
Anders reden, anders meinen,
Alles loben, alles tragen,
Allen heucheln, stets behagen,
Allem Winde Segel geben,
Bös- und Guten dienstbar leben;
Alles Tun und alles Tichten
Bloß auf eignen Nutzen richten:
Wer sich dessen will befleißen,
Kann politisch heuer heißen.

Advertisements


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s