Das Auge und wie es die Welt sieht

Das Buch sieht so heimelig harmlos aus. Es ist eine alte Gedichtsammlung aus dem 19. Jahrhundert, Elise Polko: Dichtergrüße. Und doch ist man ganz plötzlich mittendrin in einer modernen philosphischen Diskussion, was Realität ist, wenn sie überhaupt ist:

Emil Rittershaus, Das Auge

Die Welt ist eine große Seele,
Und jede Seele eine Welt;
Das Auge ist der lichte Spiegel,
Der beider Bild vereinigt hält.

Und wie sich dir in jedem Auge
Dein eignes Bild entgegenstellt,
So sieht auch jeder seine Seele,
Sein eignes Ich nur in der Welt.

Vielleicht lese ich das Gedicht falsch, vielleicht lese ich das Gedicht aber auch nur so wie ich es lesen kann. Das wäre dann im Sinne des Radikalen Konstruktivismus.  Eine philosophische Richtung, die in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts aufkam. Da sage noch einer, Gedichtelesen wäre ein Ding der Vergangenheit.

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